20. November 2017

Hilfe mein Kind hat Läuse

Mein Kind hat Läuse

Wenn rund um den Schulbeginn im Frühling und Herbst die Köpfe in Kindergärten, Tagesstätten und Lehr- oder Kinderbetreuungseinrichtungen wieder zusammengesteckt werden, haben die Kopfläuse Hochsaison. Allen besorgten Eltern sei jedoch ins Stammbuch geschrieben, dass ein Lausbefall bei Kindern weder Anlass zu Scham noch Panik ist. Wenn ständiger Juckreiz über Verdachtsmomente zur Bestätigung führt, ein Kind hat Läuse, ist mangelnde Hygiene so gut wie nie die Ursache. Diese Parasiten fühlen sich auch auf täglich gewaschenen Köpfen wohl. Die absolute Mehrheit der Kinder muss mindestens einmal mit einer solchen Diagnose rechnen, denn die Ansteckungsgefahr ist enorm. Läuse sind agil und flink und legen pro Minute von Kopf zu Kopf an die dreißig Zentimeter zurück. Wenn Eltern dem ständigen Kopfkratzen ihres Sprösslings auf den Grund gehen und feststellen ihr Kind hat Läuse, ist die Aufregung zunächst meistens groß. Das betroffene Kind gerät dadurch unnötig in Bedrängnis, was sich oft in mangelndem Willen zur Kooperation äußert. Dieser ist jedoch für eine besonnene und effektive Bekämpfung des Befalls unerlässlich.

Diese millimeterkleinen Plagegeister mit dem wissenschaftlichen Namen Pediculus humanus capitis sind zwar wirklich lästig und verursachen einige Arbeit, aber sie sind zum Glück auch wirklich ungefährlich. Sie haben sich als Parasit auf den Menschen spezialisiert. Ihr „natürlicher Lebensraum“ ist demzufolge der menschliche Kopf, wo sie ihr ganzes, ungefähr drei Wochen dauerndes Leben verbringen. Nur bei einem ganz außergewöhnlichen Extrembefall weichen die Läuse auf andere behaarte Körperregionen des Oberkörpers aus. Idealbedingungen finden Kopfläuse in der Nacken- und Schläfenregion oder hinter den Ohren, wo man sie auch am leichtesten auffindet.

Von ersten Symptomen zur Gewissheit

Wie erkennt man nun aber eindeutig, ob ein Kind von Kopfläusen befallen ist? Die lebensnotwendige, zugleich einzige Nahrung dieser Parasiten ist menschliches Blut, das sie mit ihrem Stechrüssel mehrmals täglich aus der Kopfhaut des Kindes saugen. Ein die Blutgerinnung herabsetzendes Sekret im Speichel der Kopflaus dringt dabei in die mikroskopisch winzige Wunde ein und verursacht heftigen Juckreiz. Das vordergründigste Symptom eines Kopflausbefalls ist daher das intensive Kratzen am Kopf nebst den vielen Blessuren, die es hinterlässt. Diese Beobachtung führt zum ersten Verdacht, der sich durch einen Griff zur Lupe bestätigen lässt. Eine Warnung vorweg: Läuse am Kopf des Kindes zu erkennen ist für ein ungeübtes Auge keine banale Aufgabe! Die Tierchen sind mit einer Gesamtgröße von zweieinhalb bis drei Millimeter winzig und sie gleichen sich ihrer Umgebung farblich an! Ist ihr Kind ein Blondschopf müssen Sie nach Läusen mit hellerem Panzer Ausschau halten. Die ungeliebten Bewohner dunkler Haarschöpfe weisen konsequenterweise eine dunklere Färbung auf um Ihr Auge zu täuschen.

Am einfachsten ist die Suche nach den Nissen, den abgelegten Eiern der Kopfläuse. Zwar sind diese mit einer Größe von weniger als einem Millimeter noch winziger, doch anders als ausgewachsene Kopfläuse können sie nicht davonlaufen oder sich verstecken. Sie finden sich als ovale, silbrig graue oder bräunliche Knötchen aufgefädelt wie auf einer winzigen Perlenschnur nahe der Kopfhaut an der Haarbasis. Das Weibchen legt im Laufe seines Lebens ungefähr einhundert solcher Nissen ab. Ihre Chancen stehen also gut einige davon im Zuge konzentrierter Nachsuche aufzufinden. Doch Vorsicht! Lassen sich die aufgefundenen Partikel ohne Widerstand leicht verschieben und wirken eher weißlich so kann es sich ebenso gut um Schuppen oder Rückstände von Haargel oder Shampoo handeln. Nissen wirken wie ein Knötchen im Haar, das das Weibchen mit einer Art Kitt dort befestigt hat. Sie lassen sich nur mit Druckaufwand mit den Fingernägeln oder einem spezifischen Nissenkamm ablösen.

Eine Auswahl effektiver Nissenkämme in den unterschiedlichsten Ausführungen findet sich in Drogerien oder Apotheken. Bei der erfolgreichen Suche mit dem Nissenkamm empfiehlt sich das Haar des Kindes vorher zu waschen und eine Pflegespülung oder Haarkur sorgfältig einzumassieren. Diese Haarkur wird nun mit dem Läusekamm Strähne um Strähne ausgekämmt und auf ein Stück vorbereitetes Küchenkrepp gestrichen. In den zähflüssigen Rückständen der Haarspülung werden Sie bald Klarheit finden. Diese Suche kann übrigens durchaus länger dauern, da selten mehr als zehn der Quälgeister gleichzeitig einen Kopf besiedeln.

Nach gelungener Diagnose zur wirksamen Bekämpfung

Wenn schließlich unzweifelhaft feststeht, Ihr Kind hat Läuse, so gilt als oberste Regel mit möglichst raschen und effektiven Maßnahmen den lästigen Parasiten so schnell als möglich den Garaus zu machen. Seien Sie sich aber immer der Tatsache bewusst, dass Sie als Eltern eines von Kopflausbefall betroffenen Kindes auch gewisse Pflichten haben. Ihr Kind hält sich täglich in verschiedenen sozialen Verbänden auf, die allesamt potentiell betroffen sind. Ihre Offenheit ist nicht nur eine Frage der Fairness gegenüber anderen Kindern, deren Eltern und Familien, dem Betreuungs- und Lehrpersonal. Sie ist ebenso unerlässlicher Bestandteil Ihrer Strategie der erfolgreichen Vermeidung einer späteren Wiederansteckung. Sie müssen wirklich alle sozialen Einrichtungen, in denen sich ihr Kind regelmäßig aufhält, informieren und darauf dringen, dass dort ebenso geeignete Maßnahmen einer effektiven Verbreitungsprophylaxe Anwendung finden. Sollte die Behandlung mit hoch wirksamen Produkten keinen dauerhaften Erfolg bringen, so gehen solche vermeintlichen Misserfolge nämlich meist zu Lasten anderer. Oft sind dies Eltern, die sich nicht zur offiziellen Aussage „mein Kind hat Läuse“ durchringen konnten und stattdessen im stillen Kämmerchen mit allerlei Hausmittelchen versuchen, der Plage Herr zu werden. Offenheit, Konsequenz, Sorgfalt und eine Wiederholung des Behandlungszyklus nach ungefähr neun Tagen sind die tragenden Säulen jeder erfolgreichen Therapie gegen Kopfläuse.

Nachweis der wirksamen Kopflaustherapie mit zugelassenen Mitteln

Soll Ihr Kind seinen Tagesablauf ohne Unterbrechung beibehalten dürfen, so führt kein Weg an der umgehenden Behandlung mit einem zugelassenen Medizinprodukt vorbei. Widerstehen Sie bitte den viel gepriesenen doch haltlosen Versprechungen so genannter Hausmittel. Wirklich geeignete, Erfolg versprechende, apothekenpflichtige oder frei verkäufliche Medizinprodukte erhalten Sie auf eigene Kosten in Ihrer Apotheke. Rezeptpflichtige Arzneimittel erhalten Sie ebendort nach eingehender Begutachtung, Beratung und schließlich Verordnung Ihres Hausarztes. Ihr Arzt ist befugt Ihnen die schriftliche Bestätigung auszustellen, die die Aufnahme einer Therapie des Kopflausbefalls bescheinigt, die mit geeigneten Medizinprodukten modernen medizinischen Erkenntnissen folgt. Ein ärztliches Attest über einen tatsächlichen Therapieerfolg ist nur bei Nutzung von Gemeinschaftseinrichtungen vonnöten, bei denen die Ansteckungsgefahr massiv erhöht ist.

Bei Kindern und Jugendlichen ist der Kopflausbefall die zweithäufigste Infektionskrankheit. Dieser Umstand macht eine entsprechende Verbreitungsprophylaxe so wichtig. Zugleich ist die Anonymität des betroffenen jungen Patienten ein sehr hohes Gut, das seitens des pädagogischen Personals im Zuge der Elterninformation bewahrt werden sollte. Gerade in diesem Zusammenhang leistet das Behandlungsattest des konsultierten Arztes unverzichtbare Dienste. Die Therapie ist eingeleitet, die personenbezogenen Patientendaten sind für unbeteiligte Dritte somit nicht mehr von Belang.

Prophylaxe und Hygiene

Neun Tage nach der Erstbehandlung ist der Therapiezyklus obligatorisch aus Gründen der Prophylaxe zu wiederholen. Um die Nachhaltigkeit des Behandlungserfolges zu kontrollieren, sollten Sie die Kopfhaut ihres Kindes mehrere Wochen hindurch regelmäßig hinsichtlich Auffälligkeiten begutachten. Besorgte Eltern werden in dieser Zeit etwaig auftretendem Juckreiz am Kopf jedes einzelnen Familienmitgliedes eher argwöhnisch begegnen.

Trotz allem sind die Hygienemaßnahmen nicht annähernd so aufwändig, wie von Laien im Augenblick der Diagnose befürchtet. Läuse können außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes auf der menschlichen Kopfhaut nicht überleben und vertrocknen oft schon binnen weniger Stunden. Eine australische Studie konnte nachweisen, dass die Kontrolle der Mützen von eintausend Kindern einer befallenen Schule keine einzige Laus zutage brachte. Bei der Untersuchung der dazugehörenden Köpfe konnten die Forscher hingegen über fünftausend Plagegeister dingfest machen. Gleichwohl also die Ansteckung über Mützen, Schals, Kopfkissen, Haarbürsten oder Kämme eher unwahrscheinlich ist, spricht nichts gegen eine zeitgleich erfolgende Grundreinigung. Zwei Tage Aufenthalt in der Tiefkühltruhe oder ein Waschgang bei 60 Grad können Kopfläuse, deren Larven oder Nissen nicht überleben.

 

 

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